Tage der Bayerischen Schulmusik

Plan|mä|ßig? - Schulmusik von morgen

Ein Rückblick auf die Tage der bayerischen Schulmusik 2016

 

„Kompetenzorientierter Unterricht: Was ist das? Wie geht das? Was muss ich verändern?“ – So lautete der Titel des Eröffnungsvortrags von Prof. Josef Leisen. Unter dieses Motto lässt sich auch ein großer Teil der Vorträge, Diskussionen und Workshops subsummieren, die von 10. bis 12. März 2016 in der Hochschule für Musik und Theater stattfanden. Die Veranstaltung verfolgte eine zweifache Zielsetzung: Zum einen sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer „Starthilfe“ bekommen für die unterrichtliche Umsetzung der neuen Lehrplan-Generation, die ab September 2017 an den weiterführenden Schulen in Kraft treten wird. Von „Apps auf dem iPad“ bis zu „Wege zur Mehrstimmigkeit in Klasse und Kinderchor“ reichte das inhaltliche Angebot der Praxisworkshops, das etwa 60 Dozentinnen und Dozenten aus dem In- und Ausland den gut 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern machten.
Zum anderen stand die Reflexion des LehrplanPLUS und seiner Grundlagen im Fokus der Fortbildungstage. So wurden beispielsweise in zwei Podiumsdiskussionen Vorzüge und Probleme der neuen Richtlinien ebenso diskutiert wie Möglichkeiten der Umsetzung; ein Vortrag befasste sich aus der Perspektive von Musiktheorie und Musikwissenschaft mit dem LehrplanPLUS, weitere Veranstaltungen vermittelten Grundlagenwissen zum Prinzip „Kompetenzorientierung“. Verlagsausstellungen informierten über Neuerscheinungen, zwischen den Veranstaltungsschienen und an den Abenden blieb Zeit für Wiedersehensfreude und individuellen Austausch. Zum ersten Mal vertreten waren zwei große Münchener Orchester: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Münchner Philharmoniker stellten ihre Education-Programme vor und luden zum Proben- bzw. Konzertbesuch ein. Ebenfalls ein erfreuliches Novum: Am 20. März berichtete der Bayerische Rundfunk (Programm Bayern 2) in einer dreißigminütigen Sendung ausführlich über die „Tage der Bayerischen Schulmusik 2016“! Impressionen von den „Tagen der Bayerischen Schulmusik“ finden Sie auch unter facebook.de/vbsmusik (zum Lesen und Anschauen ist übrigens kein eigener Facebook-Account notwendig!).

 

Mitgliederversammlung 2016

Im Anschluss an die „Tage der bayerischen Schulmusik“ fand die jährliche Mitgliederversammlung des VBS statt. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten der aktuelle Stand der UPZ-Aktion und die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Schulmusik“. Daneben gab es eine Reihe weiterer Themen: So berichtete Ursel Lindner, zentrale Fachberaterin für die Seminarausbildung Musik an Gymnasien, dass ab dem Sommer 2016 eine neue Regelung für die Absolventinnen und Absolventen des zweiten Staatsexamens gelten soll: Zu den vergangenen Anstellungsterminen bekamen im Schnitt knapp 60% der jungen Lehrkräfte sofort eine Planstelle, alle anderen müssen eine mehr oder weniger lange Wartezeit hinnehmen. Um eine bedarfsorientierte und möglichst gerechte Verteilung der Bewerberinnen und Bewerber vornehmen zu können, wird es künftig getrennte Wartelisten für Lehrkräfte mit Doppelfach Musik einerseits und solche mit Musik in der Fächerverbindung andererseits geben.
Martina Raab berichtete über ihre Aktivitäten im Bereich Realschule. Die Kontakte zum Bayerischen Realschullehrerverband (brlv) konnten weiter ausgebaut werden. Martina Raab und Heidi Speth wurden in den pädagogischen Ausschuss des brlv eingeladen und hatten dort Gelegenheit, einige wichtige Anliegen der Realschul-Musiklehrkräfte vorzutragen: Aufnahme der jeweils letzten Zeugnisnote im Fach Musik in das Abschlusszeugnis der Realschule, Gleichstellung des Musikunterrichts mit anderen „wissenschaftlichen“ Fächern und entsprechende Angleichung der UPZ, Anerkennung von Musik als Vorrückungsfach. Alle drei Aspekte werden sowohl vom pädagogischen Ausschuss als auch vom Landesvorstand des brlv unterstützt und sollen bei nächster Gelegenheit auch im Dialog mit dem Kultusministerium angesprochen werden - was angesichts anderer akuter Problemlagen wie der schlechten Anstellungssituation für Junglehrer und der Anstrengungen zur Integration junger Flüchtlinge in Übergangs- und SPRINT-Klassen aber wohl einige Zeit dauern wird.

 

UPZ-Aktion

Bereits in ihrer Festrede hatte Heidi Speth auf die noch immer bestehende Benachteiligung der meisten Musiklehrkräfte hingewiesen: Durch die Einstufung eines Großteils ihres Unterrichts als „nicht wissenschaftlich“ kommen für Musiklehrkräfte an nicht-musischen Gymnasien nach wie vor pro Schuljahr rund 150 Stunden (= 6 Wochen) Mehrarbeit zusammen – ein Zustand, der nicht akzeptabel ist. Einen ersten Schritt zur Veränderung dieses Zustands unternahm der VBS bekanntlich im Sommer 2014: Im Rahmen einer konzertierten Aktion beantragten zahlreiche VBS-Mitglieder die Anerkennung ihres Musikunterrichts als „wissenschaftlich“ und forderten eine entsprechende Reduktion ihres Stundendeputats. Ein gutes Jahr später, im September 2015, gingen den Antragstellern abschlägige Bescheide des Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zu. Vier Mitglieder des VBS stellten sich daraufhin als Musterklägerinnen und –kläger zur Verfügung; die Klage am bayerischen Verwaltungsgericht ist eingereicht, die Klagebegründungen sind in Vorbereitung. Bis zu einem Urteil kann allerdings noch einige Zeit ins Land gehen: Das erfolgreich verlaufene Gerichtsverfahren, in dem die Gleichstellung des Musikunterrichts an musischen Gymnasien mit anderen „wissenschaftlichen“ Fächern erreicht wurde, nahm bis zur Urteilsverkündung etwa drei Jahre in Anspruch.

 

Deutsche Gesellschaft für Schulmusik

2014 entfiel ein Kooperationsrahmen, der 65 Jahre lang Bestand hatte: Der bundesweite „Verband deutscher Schulmusik(erzieh)er“ (VDS) und der „Arbeitskreis für Schulmusik“ (AfS) gingen auf im neuen „Bundesverband Musikunterricht“ (BMU). Nach gründlicher Abwägung entschieden sich VBS und VDS-Niedersachsen bekanntermaßen dafür, dem neuen Bündnis nicht beizutreten. Stattdessen wird die erfolgreiche Verbandsarbeit in Bayern und Niedersachsen basisnah und in bewährter, eigenständiger Weise fortgesetzt (die NMZ berichtete). Nun möchten VBS und VDS-Niedersachsen eine gemeinsame Organisation ins Leben rufen, die „Deutsche Gesellschaft für Schulmusik“ (DGS). Die DGS soll sich vor allem durch gemeinsame inhaltliche Arbeit auszeichnen, finanzieller Aufwand und organisatorische Regelungen sollen auf ein Minimum beschränkt sein. Die Gründung einer länderübergreifenden Vereinigung eröffnet unter anderem die Option, auf Bundesebene, etwa mit einem Sitz im Deutschen Musikrat, professionspolitische Flagge einer anspruchsvollen Schulmusik zu zeigen. Einem einzelnen Landesverband stehen solche Möglichkeiten nicht offen.
Die Delegiertenversammlung des VDS-Niedersachsen hat sich bereits im September 2015 für die Beteiligung an einer Gründung einer DGS ausgesprochen. Nun ist das Votum der VBS-Mitglieder gefragt: Der VBS-Vorstand beantragt, dass der VBS der DGS als Gründungsmitglied beitreten möge, und bittet um Zustimmung. Es wird dazu eine Sonderversammlung stattfinden, voraussichtlich am 15. Juli 2016 in München. Die Satzung des VBS sieht vor, dass über den Beitritt zu einer Organisation nur eine Mitgliederversammlung mit Dreiviertelmehrheit beschließen kann. Diese Mitgliederversammlung wiederum ist nur beschlussfähig, wenn mindestens 25% der Vereinsmitglieder anwesend oder durch Stimmrechtsübertragung vertreten sind – im Falle des VBS wären für das Erreichen dieses Quorums aktuell 217 Mitglieder notwendig. Während der „Tage der Bayerischen Schulmusik“ konnten bereits 193 zustimmende Voten bzw. Stimmrechtsübertragungen gesammelt werden, es fehlen also noch 24 Stimmen. Daher bitten wir Sie um Folgendes: Wenn Sie den Beitritt des VBS zur „Deutschen Gesellschaft für Schulmusik“ (DGS) befürworten, brauchen wir Ihre Stimme. Gerne begrüßen wir Sie bei der Sonderversammlung am 15.7.2016, eine offizielle Einladung mit Tagesordnung wird in der Mai-Ausgabe der NMZ veröffentlicht. Falls Sie aber schon wissen, dass Sie nicht kommen können, übertragen Sie bitte Ihr Stimmrecht für diese Sonderversammlung bzw. für den Tagesordnungspunkt „DGS“ an ein VBS-Mitglied, das am fraglichen Termin anwesend sein kann (z. B. an Heidi Speth). Das entsprechende Formular können Sie hier herunterladen. Unter dem Menüpunkt "Deutsche Gesellschaft für Schulmusik" finden Sie ausführlichere Informationen. Diese können Sie auch unter Informationen zur Deutschen Gesellschaft für Schulmusik einsehen und ausdrucken. 

Gabriele Puffer